Unsere Tipps für entspanntes Reisen mit Kindern

Wahrscheinlich sind wir ziemlich verrückt, ich weiß es nicht. Mit zwei Kleinkindern an der Hand und schwanger, haben wir alles – sowohl Haus, als auch Job – hinter uns gelassen, um etwas völlig neues und unbekanntes zu bekommen. Das ist eine riesen Herausforderung und mega anstrengend! Aber diese Zeit und Erfahrung ist unbezahlbar wertvoll! Seit drei Jahren sind wir nun als Familie unterwegs, sowohl äußerlich als auch innerlich.

Wenn man mit Kindern auf Langzeitreise geht, sollte man unserer Erfahrung nach einiges beachten, damit das Ganze ein entspanntes Abenteuer wird! Wir hatten zuvor nur eine vage Vorstellung davon, wie es wohl unterwegs sein wird und haben erst mit der Zeit herausgefunden, wie es sich für uns mit den kleinen Kindern am besten Reisen lässt. Natürlich hatten wir auch irgendwie ziemlich viele Erwartungen, Vorstellungen, Wünsche, Träume und Ziele… vor allem wollten wir ein friedliches und romantisches Leben als Vollzeitfamilie leben, wobei vor allem die Bedürfnisse von jedem einzelnen im Vordergrund stehen! Wir wollten noch mehr auf unsere Kinder achten und auf sie eingehen, anstatt sie nur “mitlaufen zu lassen”.

Also haben wir unsere Kinder noch mehr als zuvor in die Planung mit einbezogen. Sie konnten also immer mitentscheiden, wohin wir reisen und welche Menschen wir treffen möchten. Dies ist u.a. auch im Sinne von Freilernen total wichtig, z.B. sind wir extra einen hunderte Kilometer weiten Umweg gefahren um das Millau Viadukt zu sehen, oder sind auch mal an einem Ort ein paar Tage länger geblieben als geplant, weil eines der Kinder ein großes Sand-Bauprojekt erst noch fertig machen wollte.

Außerdem haben wir gelernt langsam zu reisen. Anfangs dachten wir, wir fahren lieber “schnell” in den Süden, Augen zu und durch quasi, um schnell im Warmen und am Ziel zu sein. Da unsere Kinder aber gar nicht so gerne Auto fahren und es einfach auch aus natürlicher Sicht absolut nicht artgerecht ist, täglich mehrere Stunden in einem Autositz gefangen zu sein und sich nicht bewegen zu können, lernten wir schnell, dass das für uns keinen Sinn macht und nur Stress mit sich bringt. Also machten wir ganz viele Etappen, mit längeren Stopps und fuhren mehr über Land als über Autobahnen, um spontaner halten zu können (Autobahnraststätten sind mit Kindern wirklich grauenvoll!). Ganz nach dem Motto: der Weg ist das Ziel! Es hat nicht lange gedauert, bis wir erkannt haben, dass wir viel lieber länger an schönen Orten verweilen (auch mal ein paar Wochen), bis wir dann weiter ziehen. Für uns kommt es nicht darauf an, möglichst schnell viele Kilometer zu reisen und möglichst viele Länder abzuklappern, sondern wir möchten entspannt reisen und die Orte die wir schön finden richtig genießen.

Was wir auch gelernt haben ist, ganz viel zu schlafen! Das hört sich vielleicht etwas komisch an? Anfangs dachten wir, dass es vielleicht einfacher ist abends zu fahren, wenn die Kinder müde sind und in ihren Sitzen einschlafen. Dann können wir ein paar Stunden am Stück durchfahren, um schneller am gewünschten Ziel zu sein. Aber da wir durch diese Methode ziemlich schnell an unserem persönlichen Erschöpfungslimit angelangt waren, sahen wir ein, dass das unserer Psyche und Gesundheit auf Dauer gar nicht gut tut. Außerdem haben wir gemerkt, dass wir auf Reisen tatsächlich wirklich mehr Schlaf brauchen, als wie zuvor in unserem häuslichen Leben. Täglich neue Orte, Menschen, Erfahrungen, Eindrücke, usw… das verbraucht einfach enorm viel Energie und muss verarbeitet werden. Irgendjemand hat mal erzählt, dass Eltern weniger Schlaf als Kinder brauchen? Für uns stimmt das definitiv nicht…

Generell versuchen wir immer, irgendwie alle Bedürfnisse zu beachten und auch spontan die gemachten Pläne umzuändern. Denn vieles lässt sich vorher einfach nicht planen, wenn man mit Kinder am Reisen ist. Die Kinder planen nicht so genau im Voraus, sie leben immer im Hier und Jetzt und folgen spontan ihren Gefühlen und Bedürfnissen. Es liegt an uns Eltern, irgendwie alles beisammen zu halten und den Fokus nicht zu verlieren, was manchmal wirklich keine leichte Aufgabe ist.

Während unserer Reise mit dem Wohnwagen, haben wir auch erst mit der Zeit gelernt, wie wir kindgerechte Plätze zum Rasten und Campen finden. Das ist oft wirklich nicht leicht! Schließlich kennen wir die Orte nicht und es ist jedes Mal wieder eine Überraschung wo wir landen. Ganz schnell lernten wir jedoch, dass die meisten Wohnmobilplätze nicht geeignet sind, da sie oft einfach nur dreckig sind und keinen Platz zum Spielen bieten. Oft liegen sie auch an vielbefahrenen Straßen, man muss die Stellplatzbeschreibung also wirklich ganz genau anschauen, um in etwa erahnen zu können was einen erwartet. Wir nutzen solche Plätze nur zum rasten, wenn wir nichts anderes gefunden haben. Viel lieber Übernachten und Campen wir frei, in der Natur, wo sich unsere Kinder frei bewegen können! Solche Plätze fanden wir oft mit Hilfe von Googlemaps, oder durch persönliche Empfehlung von Menschen die wir getroffen haben.

Als Vollzeitfamilie auf Reisen, mussten wir auch erstmal herausfinden, wie wir das überhaupt dauerhaft finanzieren können. Anfangs, als wir los gereist sind, hatten wir hierfür überhaupt keinen Plan. Was wir aber hatten, war ganz viel Mut und Vertrauen in das Leben, das es uns schon einen Weg zeigen wird. Nach fast drei Jahren Deschoolingphase (=Erholung vom Hamsterrad), fingen wir also erstmal mit Freelancing an, dies ist für uns ein guter Einstieg in die ortsunabhängige Selbständigkeit. Als Vollzeitfamilie ist es aber nicht immer einfach unterwegs Freiraum für das Arbeiten am PC zu finden. Vor allem haben wir ja auch keinen Arbeitsplatz oder Büro oder ähnliches, alles spielt sich in und um unser Fahrzeug ab, also mitten im Familienleben. Hier mussten (und müssen wir teilweise noch) lernen, die Kinder in unsere Arbeit mit einzubeziehen, anstatt dem Partner “den Rücken frei zu halten”. Wir möchten Leben und Arbeiten miteinander verbinden, das ist uns ziemlich wichtig! Wir möchten nicht nur “Arbeiten um Geld zu bekommen”, sondern vor allem “etwas tun, was uns Spaß macht”! All diese Tätigkeiten dürfen unsere Kinder miterleben, wir sagen also nicht “ich gehe jetzt arbeiten”, sondern sowas wie “ich bauen jetzt die Internetseite für xyz weiter”, um das was wir tun unseren Kindern gegenüber transparent zu halten und sie ein Stück weit mit einzubeziehen. Wenn sie möchten, dürfen sie jederzeit zuschauen und daran teilhaben. Wir möchten nicht mehr “schaffen”, sondern wir möchten “etwas machen” was unser Leben bereichert und uns Spaß macht!

Was uns schon vor der Reise klar gewesen ist, ist dass wir unsere Kinder unterwegs nicht im Sinne von Hausunterricht unterrichten werden. Wir sind absolut vom freien Lernen, also dem intrinsischen Forscherdrang und von der natürlichen Lernbegierde der Kinder überzeugt. Sie lernen jeden Tag und immer, unaufhaltsam. Wir können das nicht stoppen, vorausgesetzt wir unterdrücken sie nicht mittels Erziehung, oder erzwungenem Lernen (extrinsisch)! Wir versuchen also, unsere Kinder in ihren Interessen zu unterstützen, machen Wünsche möglich und geben da Unterstützung wo es gewünscht und gewollt ist. Dies geht wunderbar unterwegs, oder sogar noch besser als wie zuvor im häuslichen Leben, da wir jetzt jeden Tag ganz frei und neu entscheiden können was wir machen (und lernen wollen). Außerdem werden uns durch unsere Reise ganz automatisch unendlich viele Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten geboten!

 

Was beim Reisen mit einem Fahrzeug und mit Familie auch voll wichtig ist, ist die Wahl des richtigen Fahrzeuges! Wir sind jetzt viel mit unserem Bus plus Wohnwagen gereist, was auch viele Vorteile hat, da man zum Beispiel auch einfach mal in das andere Fahrzeug gehen kann, wenn man sich zurückziehen möchte (Zweiraumwohnung sozusagen). Aber es hat auch einige Nachteile, zum Beispiel ist es mit Wohnwagen schwieriger geeignete Plätze zu finden, da man auf viele Plätze einfach nicht drauf passt auf Grund der Länge und/oder wegen der Unwendigkeit. Wohnmobile sind zwar wendiger, aber für Großfamilien oft eine echte Herausforderung, da sie meistens noch weniger Wohnraum haben, als ein Wohnwagen. Eine weitere Alternative ist ein ausgebauter LKW oder großer Bus, dies werden wir demnächst ausprobieren!

Was sind eure Erfahrungen? Was hilft euch, um entspannt mit Kindern zu Reisen, habt ihr noch weitere Tipps?

Herzliche Grüße,
Joy Imhoff

Joy Imhoff ist Mutter einer fünfköpfige Familie und ist seit 2014 reisend (und auch mal verweilend) in Europa unterwegs – ohne festen Wohnsitz.

Das Wichtigste im Familienleben ist ihnen ein bedürfnisorientierter Umgang miteinander. Sie möchten frei sein und das Leben genießen und auf das Bauchgefühl hören. Mit ganz viel Mut im Gepäck! Ihre Kinder sind Freilerner und gehen nicht zur Schule. Außerdem sind sie immer wieder auf der Suche nach Gleichgesinnten und Gemeinschaft.

Auf www.freiefamilie.de schreiben sie über ihr Leben als freie Familie!

 

 

 

 

Danke für diesen spannenden Artikel im Rahmen der Blogparade!

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