Raus aus der Idylle, rein ins Ungewisse – Vom Lehrer zum Freilernervater Wie einer Familie das “Unglück” zum Glück wird….

Ja, es ist fast wie in vielen Märchen: Die Hauptfiguren mit Herz werden verstoßen und finden in der Fremde ihr Glück…

Wenn du in einer ausweglosen Situation steckst siehst du es mit dem Glück oft anders. So ging es uns 2012, als plötzlich das Jugendamt vor der Tür stand…

…madige Äpfel auflesen und nichts zu essen haben….

Ängste stiegen auf, Wut auf den Unbekannten, der uns anzeigte, machte sich breit…Wer soll das sein? Was für Menschen sind das, die anderen ihr Leben nicht gönnen…? Unsere Kinder müssten madige Äpfel auflesen, weil sie nichts zu Essen hätten…. und sie würden nicht zur Schule gehen… so stand es in der Anzeige.
Misstrauen gegen manchen Bekannten, der auf dem Radweg vorbeiradelte entstand.

Uns ging es doch gut! Wir wohnten in einem Häuschen am Wald. Hatten einen schönen Garten mit Beeten, Bäumen zum Klettern, Schaukeln, Hängematten, Klettergerüst, Weidentunnel, mit Büschen zum Verstecken, einen Bach in dem wir baden konnten, Wiesen mit Wildkräutern, einen Holzofen, der uns Tag und Nacht wärmte und dessen Röhre die leckersten Brote und Gerichte hervorzauberte…. Feuerholz sägten wir auf dem Hof und Noah mit seinen 2 ½ Jahren hackte mit dem Beil die ersten Hölzchen auseinander.

Drinnen wurden Puppen genäht, gestrickt, Klavier gespielt, gesungen, gemalt, gebastelt, geschnitzt, Körbe geflochten, in der Adventszeit Kerzen gezogen… und mit den Kindern die leckersten Gerichte zubereitet…
Eine Insel für andere befreundete Familien, mit denen wir jahreszeitliche Feste und Geburtstage feierten.

Anita und ich lebten mit unseren (noch) drei Kindern in dieser Idylle. Abends las ich ihnen die spannendsten Abenteuergeschichten vor, die uns eine ältere Buchhändlerin aus ihrer Antiquitätenabteilung empfahl.
Der Tag begann mit einem ausgiebigen Frühstück ohne Zeitdruck und Stress, irgendwohin in eine Schule oder auf Arbeit gehen zu müssen…
Luxus pur, nachdem ich als Lehrer aus der Freien Schule “geschmissen” wurde, arbeitslos, weil ich mal nicht so schnell irgendwelchen Veränderungen hin zur Regelschule (die Kinder sollten endlich mal was lernen…) zustimmen konnte.

Vom Lehrer zum Freilernbefürworter

Meine Lehrerberufung nach einem Pädagogikstudium auf dem 2. Bildungsweg zweifelte ich nach 2 Jahren staatlichem Schuldienst an. Von den großen Ideen der Reformpädagogen war am Ende des 20. Jahrhunderts nicht viel übrig geblieben… Kinder schon im Grundschulalter leiden zu sehen, wenn sie z.B. etwas laut vorlesen sollten und sie mit ihren 10 Jahren zu selektieren in die verschiedenen Schularten u.v.m. – das brachte ich nicht mehr übers Herz….
Dass mein Gefühl für die Kinder wach blieb, hat wohl auch mit den nachdenkenswerten Texten von Rainer Maria Rilke zum Thema Schule zu tun gehabt: “Freie Kinder zu schaffen wird die vornehmste Aufgabe dieses Jahrhunderts sein”, hatte er Anfang der 20-er Jahre geschrieben gehabt….

Wir “gewöhnten” uns an das paradiesische freie Leben und kamen zu dem Schluss, so wollten wir es immer haben!
Bis eben das alte Schulzwanggesetz, entstanden 1938! durch Jugendamt und Gericht unser friedliches und geborgenes, glückliches Leben auf den Kopf stellte…

Und im Nachhinein war es auch gut so. Zum Auszug hefteten wir einen Zettel an die Hauswand: “Wir danken dem aufmerksamen Bürger…” Und das kam wirklich vom Herzen. Denn unser Auszug wurde ein Loslassen von den liebgewonnenen Dingen, die sich über Jahre ansammelten, zuviel wurden und von denen wir nicht mehr lassen wollten. Nicht nur der ganze Haushalt mit Putzen, Renovieren, Reparieren musste “geschmissen”, auch die Dinge mussten immer wieder sortiert und aufgeräumt werden.

Der Mai ist gekommen, die FreilernFamily “schlägt aus”…

Nachdem uns die Richterin 8 Wochen (kurz nach der Geburt unseres 4. Kindes!) Zeit gelassen hatte, entweder eine Schule zu finden oder eben (indirekt) das Land zu verlassen… packten wir unseren alten reisetauglichen VW-Bus und starteten an einem sonnigen 13. Mai in die weite Welt, ohne Ziel für den kommenden Winter….

Und was dann folgte ist mit Befreiung zu beschreiben, mit Er-leben, Fühlen, Staunen, Glück, Leichtigkeit, Vertrauen, Glauben und Liebe… und wir trafen die rechten Leute am rechten Ort, zur rechten Zeit….

Und wir hatten unendlich viel Zeit miteinander! Und wir hatten Zeit zum Zuhören, Hören von Vorträgen, lesen von interessanten Büchern….
Wir trafen auf Menschen, die unsere Ernährungsweise, unser Mindset… hinterfragten und uns andere Wege aufzeigten: “Lasst die Milch-, Zucker- und glutenreichen Produkte (Brot, Brötchen, Nudeln…) weg!” Mit unserer vollwertigen Kost dachten wir, machen wir doch alles richtig… Als wir die diverse Literatur durchackerten, und uns vieles klar wurde, stellten wir mit den Kindern zusammen vieles um, nicht radikal, immer im Gespräch mit ihnen und auf unser Körpergefühl achtend. Unsere Große schnappte sich das Kinder-Ernährungsbuch: “Melone zum Frühstück” und setzte ihr Wissen um, forderte es auch von uns ein und war Vorbild für die Kleineren.

 

Wir wussten nicht, wo wir bleiben konnten…
Als es Herbst wurde, kalt und regnerisch, verließen wir Südfrankreich Richtung Spanien.
Die Geschichte, wie wir zu einem wunderbaren Ort kamen, an dem wir bleiben konnten muss ich euch erzählen:

Wir wussten von einem Anlaufpunkt in der Costa del Sol/Südspanien.
Vorerst wollte ich an einer warmen Quelle bei Granada unser Auto reparieren. Fanden nach stundenlanger Suche diese Quelle nicht. Was hatte das zu bedeuten? Wir entschlossen uns, weiter zu fahren. Mittags kamen wir in der Costa del Sol an. Statt nach dem Anlaufpunkt zu suchen, gingen wir erst einmal an den Strand und ließen es uns mit Baden und Essen gut gehen. 16:00 suchten wir dann die empfohlenen Leute auf. Wir stellten in der Enge der Zufahrtswege unser Auto ab und ich lief zu dem angegebenen Haus, traf auch gleich Sabine, die sich im Moment von einem dt. Ehepaar verabschiedete. Sie gingen und Sabine führte mich zu ihrem Grundstück. Ihr Mann machte grad Siesta. Er gab aber Bescheid, dass wir bei ihnen nicht bleiben könnten, aber bei einem Engländer oder bei einem Ungarn nachfragen sollten. Ich lief zurück zur Familie und wir beratschlagten: Das Los traf dann auf den Ungarn. Also steuerten wir ihn an. Dort angekommen verabschiedete sich wiederum das dt. Rentnerpaar von Josef, dem Ungar. Anita sprach kurz mit ihnen, dann fuhren sie ab. Josef lud uns in seinen Garten ein und bot uns leckere Avocados und für die Kinder eigen angebautes Zuckerrohr an. Wir unterhielten uns, erzählten unsere Geschichten… Es dämmerte leicht und wir wussten immer noch nicht, wo wir, zumindest diese Nacht, bleiben konnten. Josef wollte bei sich keine Kochköstler haben. Irgendwie waren wir in sehr gelassener und vertrauensvoller Stimmung. Auf einmal klingelte Josef´s Telefon. Es war das Rentnerpaar, was sich vor zwei Stunden verabschiedet hatte. Sie luden uns zu sich nach Hause ein. Wir sollten noch abends kommen. Da sie wenige Tage später nach DE abreisten, suchten sie jemanden, der ihr Grundstück betreuen konnte. So kamen wir genau recht und landeten an einem wunderschönen Ort im Campo mit Blick aufs Meer, zur Feigen und Mangozeit…. Für uns ein Traum! Unvorstellbar, welch kleines Zeitfenster (die richtige Zeit zum richtigen Ort mit den richtigen Leuten) uns diese Möglichkeit eröffnete! Für uns ein Wunder!

Frei-Sich-Bilden – auch für uns Eltern?
Wir genossen über Monate die Zeit in der Costa del Sol. Reisten dann wieder, durch Marokko zu Fuß, nach Portugal, Deutschland, Schweden….
Irgendwann stellten wir uns als Erwachsene die Frage, was machen wir mit unserm Leben? Nicht nur die Kinder lernten selbstbestimmt zu leben und zu lernen, auch wir merkten, wir wollen Verantwortung zu 100 % für unser Leben übernehmen und nicht abhängig auf Dauer von irgendwelchen Almosen/Kindergeld bleiben. Inspiriert wurden wir von anderen Weltreisefamilien, die mit ihrer finanziellen Unabhängigkeit (digitale Nomaden…) frei leben und reisen konnten. Das wollte ich auch. Aber mit welchen Mitteln? So machte ich mich auf die Suche…. 2016 entschied ich mich nach einer persönlichen Krise (“Sei du selbst und verändere die Welt”) für meinen Aufbruch.

Die Geschichte mit den Cookies hat mich zutiefst getroffen: “ …was bildest du dir eigentlich ein, die gesunden Rohkostkekse, nach denen deine eingeladenen Gäste sehnlichst verlangen, einfach selbst in dich rein zu stopfen und den Rest in die Tonne zu schlagen? Willst du nicht deinen reichen Erfahrungsschatz mit anderen teilen?” Das traf mich sehr und ich/wir machten uns auf, anderen Eltern Mut zu machen mit unseren Erfahrungen im Umgang mit unseren Kindern. Ich schuf die Seite “www.FreilernFamily.de” , mit der wir jetzt immer mehr andere Familien inspirieren und uns darüber ein Business aufbauen…

Krisen als Tore zum Wachstum…
Am Ende sind wir auf unserem Weg noch lang nicht. Durch viele wertvolle Wachstumsprozesse, persönlicher und beziehungsmäßiger Art sind wir inzwischen durchgegangen und es ändert sich weiterhin vieles. Die Bedürfnisse der Kinder ändern sich mit ihrem Alter… und wir Eltern kommen an unsere Grenzen und auch Krisen, die wir jetzt als Wachstumschancen immer besser begreifen können….
Andere Länder, andere Sitten…
Für uns war der Schritt in eine andere Kultur, in ein anderes Land der Schlüssel zu uns selbst. Hier waren wir meist auf uns gestellt und herausgefordert, unsere alten Glaubens- und Denkmuster zu hinterfragen…. Auch unsere Gastgeber gaben uns viel Wissen um gesunde Ernährung und Heilverfahren mit. Die typischen Winterkrankheiten der Kinder verschwanden. Ich hatte lange Jahre mit Übergewicht und Reizdarm zu tun. Das ist jetzt alles nicht mehr und ich fühl mich gesund, geheilt. In der sicher auch wertvollen Komfortzone, in der wir vor Jahren noch lebten, wollen wir nicht mehr zurück. Alles hat sich verändert….. Das empfinden wir jetzt als großen Erfahrungsschatz und Glück! Wie vielen anderen Freilernerfamilien sind wir unterwegs begegnet! Kontakte und Freundschaften haben sich ergeben wodurch es viele Anregungen für uns und unsere Kinder gab… auf ganz neuer Ebene…

Euer Christian

von der FreilernFamily
Empfehlungen/Bücher:

Kinder & Jugendbücher

…für die Großen


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Christian Hahn
ist Vater von vier Kindern und bloggt auf freilernfamily.de/

Danke für diesen wunderbaren Artikel im Rahmen der Blogparade!

Blogparade

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