Darum betreuen wir unser Kind selbst

Dass ich diesen Weg gehen würde, das hätte mir früher mal jemand sagen sollen – ich hätte ihn ausgelacht.

Ich wollte nach einem Jahr Elternzeit wieder in meinen Beruf als Teamleiterin einsteigen. Also, Planer vor dem Herrn, verfasste ich noch in der Schwangerschaft ein über vier DIN A4 Seiten langes Dokument auf meinem Computer, wie und wo ich mein Kind nach seinem ersten Geburtstag möglichst schnell wieder fremdbetreut bekomme.

Und dann kam unser Emil auf die Welt: 6 Wochen zu früh, schutzlos und hilflos. Meine Welt stand Kopf. Wir verbrachten die ersten vier Wochen im Krankenhaus, zum Teil auf der Intensivstation, wo es leider gar nicht gut um ihn stand. Vier Wochen zwischen Bangen und Hoffen, bis ich endlich selbstbewusst genug war, aufzustehen und Forderungen zu stellen: Magensonde raus, Temperatur des Wärmebetts nach und nach herunterschrauben, Fütterungszeiten erst gestreckt und dann ganz aufgelöst, um nur noch nach Bedarf zu füttern. Es nützte etwas. Die Ärzte begegneten mir zwar zunächst mit Skepsis, doch bald darauf mit mehr Respekt. Mein Kind verstand wohl instinktiv, und fing an zu kämpfen als ginge es sprichwörtlich um Leben und Tod.

Silvester 2014/15 war das schönste Fest meines Lebens, denn uns wurde in Aussicht gestellt, das Krankenhaus am 1. Januar verlassen zu dürfen. Und so kam es dann auch. Wir packten unsere sieben Sachen und marschierten erhobenen Hauptes aus dem Krankenhaus.

Endlich zu Hause war dann schnell klar:

  1. Wir wollen stillen!! (hat geklappt!)
  2. Ihn abgeben? In fremde Hände? Unvorstellbar! Mein Baby gehört zu mir!

Ich will ihn jederzeit beschützen, ihn umarmen, ihn küssen, ihn wiegen, ihn schaukeln, ihn stillen, ihn tragen, mit ihm einschlafen und aufwachen. Er soll mit seiner Mama aufwachsen, nicht mit fremden Menschen! Ich will für ihn da sein, wenn er es braucht. Und loslassen, wenn er soweit ist.

Ich will ihm Urvertrauen geben als Basis, das ihn durchs ganze Leben trägt. Ich will meine Arme um ihn legen, und sie peu à peu weiter öffnen, so dass er auch als Erwachsener genau weiß: Meine Mama ist immer (noch) für mich da!

Das lebe ich aus einem tiefen inneren Gefühl und Selbstverständnis heraus. Nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen. Ich glaube, das macht es für mich recht einfach, mein Kind zu SEHEN, mit all seinen Werten und Wesenszügen, die ihn so einzigartig machen. Ich werde ihn darin fördern, der zu werden, der er in diesem Leben sein will.

Und wie kann ich ihn am besten unterstützen? Indem ich für ihn da bin! Physisch wie psychisch. Und da ich der festen Überzeugung bin, dass ein Kind in den ersten Lebensjahren zu seinen Eltern, respektive zu seiner Mutter gehört, entschieden wir uns für dieses Modell aus verschiedenen Gesichtspunkten heraus. Manche brachte erst die Zeit ans Licht.

Unser Weg führte also in die Selbstbetreuung unseres Kindes. Doch jede Familie muss ihren individuellen Weg finden und ihn gehen.

Nicht mehr in den Strukturen des beruflichen Alltags zu sein bedeutet für mich persönlich eine enorme Freiheit. Nie zuvor hätte ich vermutet, was eine solche Auszeit mit mir machen könnte. Dem Hamsterrad zu entkommen war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich bin endlich mal zur Ruhe gekommen, bin nicht mehr abgehetzt von A nach B gefahren, immer der Zeit hinterher hinkend. Ich konnte fühlen, was Langeweile ist. Ja, tatsächlich. Und lernen, sie auszuhalten. Sie sogar anzunehmen als etwas, das mich bereichern kann.

Wir genießen es, in den Tag zu leben. So lange im Bett zu bleiben, wie wir wollen. Aufwach-Stillen ohne Zeitnot, Vorlesen, wenn es gerade gewünscht ist. Eben selbst entscheiden zu können, was wir wann tun wollen und die Möglichkeit zu haben spontane Ideen direkt umzusetzen. Wir haben keinen Stress, weil wir uns keinen Stress machen. Wir haben keine Organisationsprobleme durch Krankheit, weil ich bei meinem Kind bin, egal ob krank oder gesund.

Ich liebe es, die Entwicklungsschritte meines Kindes miterleben zu dürfen. Jeden einzelnen, und sei er noch so klein. Dabei zu sein, wenn er Neues lernt und sich darüber freut. Nicht nachmittags bei der Abholung im Kindergarten zwischen Tür und Angel erzählt zu bekommen, was er heute gelernt hat. Wenn das überhaupt irgendwem aufgefallen ist. 😉

Selbstbetreuung ist mir deswegen auch so wichtig, weil ich mein Kind nicht frühzeitig in die angepassten Strukturen unserer Gesellschaft pressen möchte. Er soll frei sein. Frei wie ein Vogel. Fliegen dürfen, wenn er fliegen will.

Morgenkreis? Mal ehrlich, wie artgerecht ist das?! Am Tisch sitzen bleiben, bis der Teller leer ist und alle aufgegessen haben? Nee, das ist nicht so unsers.

Was will denn ein kleines Kind? Spielen!

Und was braucht ein kleines Kind? Bindung zu mindestens einer Bezugsperson, bei der es lachen und weinen kann!

Mal abgesehen davon, dass die eigenen Eltern das größte Regulationspotential haben, ist es doch eher die Ausnahme, dass sich in einer Krippe oder im Kindergarten eine feste Person selbst und ständig um mein Kind kümmert. Die Wahrheit ist doch: Dafür ist gar keine Zeit. Wenn wir Glück haben, bekommen sie mit, dass mein Kind weint und nehmen sich dafür dann gerade noch die Zeit, auf ihn und seine Sorgen einzugehen.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass es natürlich auch Schattenseiten der Selbstbetreuung gibt. Finanzieller Art zum Beispiel. Am Ende des Geldes ist leider oftmals noch eine ganze Menge Monat übrig. Dass das zu einer Belastung für die ganze Familie werden kann, ist vielleicht vorstellbar.

Nun, es ist nicht so, dass ich nicht auch das Gefühl habe, etwas für meinen Kopf tun zu müssen oder zu wollen. Im Gegenteil.

Aber: Nicht auf Kosten meines Kindes!

Ich habe mit meinem Blog „Berufung Mami“ einen guten Kompromiss gefunden. So kann ich das tun, was ich zu tun liebe (das Schreiben), mich für mein Herzensthema engagieren und gleichzeitig in Vollzeit meinen Sohn betreuen. Mich macht das glücklich. Und was macht Dich glücklich? Wie geht es Dir mit meinen Worten?

Wünschst Du Dir auch mehr Zeit mit Deinem Kind? Dann schreibe mich gerne an und wir reden drüber. Ich freue mich auf Dich.

Deine

Jenniffer Ehry-Gissel

 

Jenniffer Ehry-Gissel ist Mutter und Bloggerin auf berufungmami.de.

Dort informiert sie über Selbstbetreuung von Babys  und Kindern und gibt viele praktische Tipps und organisatorische Hilfestellungen.

Denn es sind die Jahre, in denen wir den Kindern Wurzeln verleihen, mit deren Hilfe sie ein selbstbewusstes Leben führen werden.

Auf ihrer Seite kannst Du auch das kostenlose Ebook „Mama bleib bei mir!“ herunterladen.

 

 

 

Danke für diesen wunderbaren Artikel im Rahmen der Blogparade!

 

Blogparade

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