Was bedeutet befreites Familienleben für mich ?

 

Ich glaube, wenn wir von einem befreiten Familienleben sprechen, dürfen wir zuerst die Kinder befreien – oder sie gar nicht erst unfrei machen.
So oft geht es um Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung – und wir tun so, als sei das nur ein Thema für Erwachsene. Und viele meiner Generation und älter, also jene, die vermeintlich „alles hatten“ stellen sich als Eltern oder um die 30, 40 oder 50 die Frage: ist das eigentlich mein Leben? Entspricht das in allen Bereichen dem, wie ich es mir gewünscht habe? Bin ich selbstbestimmt? Oder wie werde ich es wieder? Manchmal führt die Frage, wenn sie unbeantwortet bleibt, zu Krankheiten oder Krisen.

feet-619399_640Kinder kommen selbstbestimmt auf die Welt. Sie äußern bereits als Babys (oder schon davor) klar ihre Bedürfnisse und was sie brauchen. Oder wollen. Es interessiert sie dabei erstmal nicht, ob „man“ das so macht, ob „man“ so auf die Straße gehen kann, ob „man“ damit später mal garantiert einen Job bekommt (hüstel…) oder was die Oma oder Nachbarin oder Freundin darüber denkt.
Was und ob sie etwas anziehen wollen, ob Haare kämmen ok ist oder ganz furchtbar, wann sie müde sind und schlafen gehen, mit welchen Menschen sie ihre Zeit verbringen möchten oder auch mit welchen nicht, sie lassen uns alles wissen. Manchmal nur leise, und es ist die Frage, ob wir zuhören, manchmal laut oder, wenn keiner hört, manchmal auf ganz andere Art und Weise (Krankheit, Aggression).

Was dann oft passiert, sind Erziehung und Adultismus (Kinder erfahren Diskrimierung aufgrund ihres Alters, einfach weil sie Kind sind). Es werden Bedürfnisse übergangen (gerade jenseits von Tragen und Stillen), das Kind wird nicht gehört, es wird über seinen Kopf hinweg gesprochen oder entschieden, es wird mit seinem Taschengeld in der Einkaufsschlange übergangen oder nicht bedient (Alltags-Adultismus), der Erwachsene entscheidet, weil er eben erwachsen ist und meint, er wisse es besser, weil er eben „Erfahrung“ hat.

Weiter geht es oft in Kindergarten und Schule – hier wird Erziehung dann professionalisiert und oft ziemlich stark vereinheitlicht: es gibt einen vergleichsweise engen Rahmen, wer wann was können soll oder in welchen Zeitfenstern was gemacht werden darf. Viele Kinder, viele Menschen passen da nicht hinein. Das Gefühl, was oft schon vorher begonnen hat, manifestiert sich: „Ich bin nicht ok, so wie ich bin.“ oder auch „Ich bin nicht gut genug.“ Beides nicht nur bei den Kindern, sondern oft auch bei den Eltern, die oft zu Erfüllungshelfern der institutionalisierten Bildung werden: kommt das Kind nicht mit oder passt nicht in diesen Rahmen bzw. diese Schablone, liegt es oft an ihnen, sollen sie mithelfen, es passend zu machen.

Soviele Mütter, soviele Eltern möchten es heute anders, sie möchten bedürfnisorientiert mit ihren Kindern leben – und spüren ihre eigenen Bedürfnisse kaum mehr, denn die wurden eben oft schon übergangen. Beginnend, als sie selbst noch ganz klein waren. Sie wurden erzogen. Sie haben verinnerlicht, dass sie nicht wichtig sind, dass sie im Unrecht sind – und sie haben kooperiert, wie es Kinder eben tun. Gleichzeitig spüren sie in sich drin, dass es eben deshalb um so wichtiger ist, mit ihren Kindern anders zu leben, diese gar nicht erst in diese Schleife geraten zu lassen. Und doch passiert es dann teilweise, oft gar nicht aus erzieherischen Gedanken, sondern aus Überforderung und Überlastung, dem Leben in einer ungeeigneten, nicht artgerechten Umgebung. Da ploppen sie dann auf, die alten Muster, die erlernten Glaubenssätze. Wie aus Untiefen plötzlich heraufgestiegen hören wir uns jene Sätze sagen, die wir selbst noch so gut kennen und die wir niemals sagen wollten.

Hinzu kommt als Teil des nicht artgerechten Umfelds, dass Eltern oder ein Elternteil sich oft zusätzlich ebenfalls in einem Umfeld befinden, dass ihnen nicht entspricht. Der vor 10 oder 20 Jahren erlernte Beruf paßt vielleicht nicht mehr zu der Person, die ich heute bin, unter dem, was mit dem geliebten Studienfach beruflich gemacht werden kann, hatte ich mir etwas anderes gewünscht oder vorgestellt, oder vielleicht liegt es auch gar nicht am Beruf selbst, „nur“ die Rahmenbedingungen des Jobs passen nicht mehr. Dass die wenigsten Firmen Teilzeit und HomeOffice in dem Rahmen bieten, wie es für Familien gerade in der „RushHour des Lebens“, in der Kinder klein sind und Großeltern vielleicht schon ebenfalls Hilfe zu benötigen, erforderlich wäre, ist Teil davon.

Nicht zu unterschätzen hier ist die Möglichkeit, die von Eltern gerade mit kleinen Kindern meist eher selten in Betracht gezogen wird: die, sich selbständig zu machen. Gerade wer bisher angestellt war, hat hier auch erstmal einen gedanklichen Weg zu gehen, das kenne ich von mir selbst. Oft haben wir jedoch hierzu die „klassischen“ Selbständigkeit im Blick. Sich nebenher etwas aufzubauen, die Möglichkeiten zu nutzen, die uns der Online-Bereich bietet, langsam hineinwachsen oder direkt springen – alles ist möglich und wir können schauen, was für uns passt.

stroller-502934_640Die Kinder bieten uns die große Chance, nicht nur erziehungsfrei, bedürfnisorientiert und/oder freilernend mit ihnen umzugehen, sondern auch für uns selbst diesen Weg wiederzufinden. Uns zu fragen: wer bin ich eigentlich wirklich? Was will ich wirklich? Jetzt – in diesem Moment?
Wie möchte ich mein Leben weiterführen, was ist mir wichtig?

Und auch nicht nur: was möchte ich machen, sondern auch: wie, unter welchen Bedingungen möchte ich es machen? Familien zerreiben sich oft im Alltag, von morgendlicher Hetze zum Kindergarten bis zu Stau im Berufsverkehr oder dass die Kinder in der Stadtwohnung keinen Krach machen dürfen – nicht wirklich Kind sein können. Fremdbestimmter Alltag.

Wie möchte ich leben, was passt gerade für uns als Familie, was gibt uns Freiheit und Flexibilität? Das Einfamilienhaus, in dessen Garten die Kinder rennen und toben können? Die günstige Wohnung? Die Stadtwohnung, die auch schnell untervermietbar ist? Die Familie in der Nähe ? Oder ganz weit weg? Minimalisierter Lebensstil? Der Support in einem Job, den ich gut kenne? Das Online-Business, das uns im Home-Office arbeiten oder reisen läßt? Reisen insgesamt ? Eine wirklich bedürfnisorientierte Kinderbetreuung? Clanleben? Dauerhaft oder auf Zeit?

Schau, was Euch als Familie gerade wichtig ist, und versuche, Euer Leben so flexibel wie möglich zu gestalten! Das ist das Wichtigste, denn umso besser und spontaner kannst Du auch reagieren, wenn etwas nicht mehr paßt. Familien sind ja grundsätzlich eher Hochseedampfer als kleine wendige Segelboote 😉 Trenne Dich von dem, was Dich belastet. Hole Dir Unterstützung oder geh dorthin, wo unterstützende Menschen sind. Und vor allem: lass „das geht nicht“, „das kann ich nicht“ und „das darf ich nicht“ keinen Raum mehr in Deinem, in Eurem Leben. Und lass zu, dass das Prozesse sind, die zum Teil auch dauern. Wenn Du magst, hol Dir Unterstützung.

Liebe Grüße von

Lena Busch

lena

 Lena Busch ist  Bloggerin auf freilernblog.de  und familienleicht.de und Mutter von drei Kindern.  Im Jahr 2016 hat sie mit ihrem Mann Michael den sehr erfolgreichen Bildungskongress veranstaltet, aktuell stecken sie in den letzten Vorbereitungen zum Familien-Online-Business-Kongress, der am 25.Mai startet.

FamilienOnline-BusinessKongress_Neu

Auf ihren Seiten findest Du Angebote für Elterncoaching, Businessgründung und Begleitung und viele Informationen und Artikel rund um ein bewussteres Familienleben.

 

 

 

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Danke für diesen wunderbaren Artikel im Rahmen der Blogparade!

Blogparade

1 Kommentar

  1. Maria von OstSeeRäuberBande

    Liebe Lena,
    dieser Text spricht mir aus der Seele.
    Leider stehen wir erst am Anfang dieser Reise und leider sehnt sich mein Mann nicht so sehr wie ich nach Freiheit für die Kinder und uns. Mal sehen, was daraus wird. Jedenfalls vielen Dank für diesen Text voller Inspiration. Ich werde ihn an Mann und Schwester weiterleiten.
    Viele Grüße,
    Maria von OstSeeRäuberBande

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