Die reisende Familie aus Sicht des inneren Kindes

 

Als Familie auf Reisen – das sind wir nun schon seit genau einem Jahr. Am 1. Mai 2016 packten wir unseren Wohnwagen voll und zogen von Österreich aus auf die wundervolle Insel Sardinien. Seitdem hat sich so einiges verändert bei uns. Aber vor allem hat sich mein Weltbild komplett gedreht.

 

Dein inneres Kind will reisen

 

Ich bin über Grenzen gegangen, über viele Grenzen, ich habe mich selbst neu entdeckt und habe meinem inneren Kind einen großen Haufen Wünsche erfüllt. Und ich glaube, auch darin steckt die große Kraft des Reisens. Meinem inneren Kind seinen größten Wunsch zu erfüllen, ihm zu zeigen – ich bin für Dich da und Du bist mir wichtig.

 

Welches Kind wünscht sich nicht die Welt zu entdecken? Lange Reisen zu unternehmen? Einmal mit dem Flugzeug zu fliegen? Mit dem Schiff über die Weltmeere zu segeln. Romantische Vorstellungen, die wir da in uns tragen, meist geprägt von einer Kindheit in der all dies nicht möglich war. Vielleicht aber die Nachbarn das Geld hatten weite Reisen zu unternehmen und wir nicht. Möglicherweise war es auch umgekehrt – die Eltern sind mit uns viel gereist und wir verspüren im Reisen so eine Art zweite Heimat. Schließlich war in vielen Familien die Reisezeit, eine der wenigen heilen Qualitäten.

 

Doch bald holt Dich Dein verletzter Anteil wieder ein

 

Was auch immer der Grund ist los zu ziehen, vielleicht auch nur, um uns ein Stückchen freier zu fühlen, wir nehmen uns selbst alle mit. Irgendwann entpuppt sich das romantische Segelschiff als eine Fähre auf stürmischer See. Der karibische Traumstrand, den ich seit Monaten über Instagram verfolge, als eine wundervolle Aufnahme eines dreckigen Touristenstrandes. Dann platzt meine Illusion sehr schnell. Ich werde ent-täuscht – die Täuschung vom perfekten Leben auf Reisen fällt nach und nach in sich zusammen.

 

Irgendwann beginnt auch beim Reisen wieder der Familienstreit. Die tägliche Nähe, ohne wirklich Raum für das Individuum, fordert uns alle heraus. Tagelanger Regen halten uns in kleinen Räumen gefangen und wir haben keine Wahl, als uns damit und mit uns selbst als Familie auseinanderzusetzen.

 

beach-1176270_640Die Grenzen des Lebens überschreiten um neue Anteile kennen zu lernen

 

Ja, zugegeben Reisen ist wunderschön, ich möchte diese Zeit nicht missen. Doch hat sie mir auch alles an meinen Grenzen abgefordert. Oft war ich gefangen in einer Überforderung aus der ich keinen Weg fand. Dann bin ich nach Innen gegangen und auf einmal kam ein kleines Licht, dass mir den Weg gezeigt hat. So konnte ich große und kleine Hürde immer lösen. Manchmal haben wir dann auf einmal wieder schöne Tage erlebt, manchmal auch den Ort gewechselt.

 

Das ist die große Qualität des Reisens, über die eigenen Grenzen gehen, sich selbst absolut neu entdecken und neu leben. Solange ich mir immer klar bin, es sind meine eigenen Grenzen, egal was zu mir kommt. Es bin immer ich, nicht die anderen.

 

Es ist fast ein bisschen wie eine Psychotherapie, wenn man sich selbst versucht zu leben, ein Online-Business aufzubauen und gleichzeitig noch durch die Welt reist. Man wird zwangsläufig in einer Ultrahochgeschwindigkeit mit sich selbst konfrontiert – und der eigenen Familie. Alle Themen kommen auf den Tisch und wir haben endlich Zeit uns damit zu beschäftigen.

 

Warum es so wichtig ist ein verantwortungsvoller Erwachsener zu werden

 

Ich liebe meine Familie sehr und ich freue mich, dass ich sie um mich habe. Jeden Tag ist es ein Wunder zu sehen, wie frei sich meine Kinder ohne Schule entfalten. Ja, sie entfalten sich, wo sie sich doch so lange zusammen geklappt haben. Kompromisse eingegangen sind und sich klein gemacht haben.

Doch sie können es nur, weil auch ich an mir „arbeite“. Weil ich jeden Morgen meine Themen ansehe, mir Coachings und Weiterbildungen schenke. Weil ich über meine Grenzen gehe und versuche die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen. In allen Bereichen. So gebe ich sie frei und lasse sie ihre eigenen Erfahrungen machen. Nicht meine.

 

Kinder sind unglaublich anpassungsfähig und sie haben erkannt, dass mein Mann und ich, das letzte Jahr Reisen benötigt haben um zu wachsen. Um aus uns Selbst heraus zu wachsen. Sie haben uns gelassen. Doch als wir kräftig genug waren, haben sie Einspruch erhoben und uns sehr deutlich gezeigt, dass sie sich eigentlich ein anderes Leben wünschen. Sie wünschen sich Freunde, die nicht ständig wechseln, sondern die auch einmal längere Zeit in ihrem Leben bleiben. Sie wünschen sich ein festes zu Hause – Wurzeln aus denen sie wachsen können und eigenständig ins Leben gehen.

 

girl-1721392_640Wir sind keine wirkliche Erwachsenen, sondern verletzte Kinder

 

 

Das ist etwas, das mir tatsächlich auf Reisen oft begegnet ist und natürlich auch in unserer Familie aufgefallen. Wir binden die Kinder sehr an uns und geben ihnen wenig Möglichkeit ihr eigenes Leben zu entdecken. Das meine ich nicht als Vorwurf, es geschieht aus einer tiefen Liebe heraus. Das Konzept der Kleinfamilie ist ein sehr enges und birgt einen großen Radius an Schutz.

 

Ich kann mich gut in dieses Konzept zurückziehen und von dort aus reifen. So funktioniert das bei den Kindern. Doch, da wir Erwachsene alle noch im verletzten Kind festhängen und nicht richtig erwachsen sind, ziehen auch wir uns in dieses Konstrukt zurück. Es ist eine Art Schutzmauer, die wir uns da aufgebaut haben und in dieser ist viel Schmerz versteckt. Das merken wir in dem Moment, in dem das Konstrukt einstürzt, die Familie sich auflöst. Dann kommt all dieser Schmerz zu Tage. Traurigkeit kommt, die wir nicht fühlen wollen. So tun wir alles, was in unserer Macht steht um diese Mauer aufrecht zu erhalten.

Doch das ist fatal, denn wir sperren gleichzeitig uns und unsere Kinder in diesem Konstrukt ein. So leben wir vielleicht nach Außen das Bild einer freien Familie auf Reisen, doch im Inneren sind wir gefangen. Gefangen in unseren Mustern und Prägungen, die so gut verpackt sind in dieser Mauer.

 

Unsere Kinder aber wollen frei sein, sie wollen sich bewegen dürfen – sie haben ein Recht darauf. Dazu brauchen sie einen festen Rahmen, aus dem heraus sie wachsen können und sich eines Tages, komplett frei und unabhängig, lösen können. Das ist unsere Aufgabe als wirklich freie Familie, so an uns zu arbeiten, dass wir zu verantwortungsvollen Erwachsenen werden, die ihren Kindern ein kinngerechtes zu Hause schenken.

 

Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel – Goethe

 

Namasté

Deine

Kristina Frank

 

Kristina_Frank_300_OKKristina Frank ist Mutter von drei Kindern und hat die Kongresse „Wieder Kind sein“ und „Fülle leben“ im Jahr 2016 veranstaltet.

Leben ist Jetzt! Nur wenn wir voll und ganz den Moment leben, können wir in unserer Kraft und unserer Klarheit stehen. Der Moment ist die Fülle des Lebens. Kristina hilft anderen Menschen wieder im Hier und Jetzt anzukommen um die Freude und Leichtigkeit der Kinder wieder in sich zu spüren.

Auf kristina.jetzt und livemore.de findest Du viele Inspirationen und Kristinas Angebote.

 

 

1 Kommentar

  1. Isabel

    Hallo Kristina!

    Mir hat dein Artikel sehr gefallen und fühle mich sehr angesprochen. Wir haben seit fast 5 Monaten keinen festen Wohnsitz und neben zahlreiche persönliche Entdeckungen und tolle Erlebnisse sind auch viele Zweifeln und schwere Momente bei uns gewesen, besonders Aufgrund der Unzufriedenheit unsere Kindern.

    Zum Anlass deines Artikels habe ich noch 2 unbeantwortete Fragen, die ich hier eifach so schreibe:

    – Was ist,wenn dein inneres Kind erscheint in diesem Angst die wir fühlen -so ist es bei mir- unsere Kinder kein festes Wohnsitz und feste Freunde anbieten zu können? Ist nicht diese Angst eigentlich unsere eigene Angst dass sie nicht haben (bzw. verlieren) etwas was wir eventuell nicht hatten?

    – Manche Kinder wollen anfangs nicht reisen, teilweise weil es ihnen fremd ist (das war unser Fall). Wir haben ihnen aber während diese 5 Monate zeigen können, dass Reisen auch vieles Schönes mit sich bringt. Viele neue Freunde und tolle Orte wo sie Spass hatten. …
    Ist es nicht eine möglichkeit, dass sie mit uns Zusammen eine neue Lebensweise entdecken, obwohl es am Anfang sehr schwer sein kann? Wenn wir die Reise an Ihnen anpassen -mit vorläufige Communities z. B.- werden die es nicht am Ende auch lieben?

    Das sind die Fragen, die ich mich jetzt stelle und die mir wichtig sind, um noch weiter mit meinen Kindern zu reisen.

    Liebe Grüsse,

    isabel

    Antworten

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