Freiheit beginnt im Kopf – Über Erwartungshaltungen im Familienleben

Freiheit – ein großes Wort. Für manche ist Freiheit ein unerreichbarer Idealzustand, für andere alltägliche Realität. Was bedeutet Freiheit für dich?

Und woran liegt es, dass manche Menschen ein glückliches und befreites Leben führen, obwohl sie von außen betrachtet gar nicht so viel anders machen, als andere, die sich im System gefangen, von den Nachbarn beobachtet und von der eigenen Verwandtschaft eingeengt fühlen?

Meiner Meinung nach liegt die Lösung dafür in der Erwartungshaltung zum Leben. Die Kernfrage, der ich in diesem Artikel nachgehen möchte lautet daher: Lebst du dein Leben, oder das, was von dir erwartet wird?

Ich lade dich ein, auf eine kurze Gedankenreise mitzukommen, um zu reflektieren, von welchen Erwartungshaltungen dein Lebensgefühl aktuell beeinflusst wird. Außerdem stelle ich dir viele wertvolle Fragen, über die du nachdenken solltest, wenn du mit deiner Familie noch freier leben möchtest.

Erwartungen von anderen Personen an dich

Wenn das erste Kind unterwegs ist, gibt es sicherlich viele Menschen in deinem Umfeld, die an diesem neuen Lebensglück teilhaben wollen. Das ist ja erst mal etwas schönes. Doch leider kann es auch passieren, dass sich plötzlich ziemlich viele in dein Privatleben einmischen wollen. Hier wird es schwierig. „Wie, du willst das Geschlecht nicht wissen?“ „Wie jetzt? Du lässt keine Pränataldiagnostik machen?“

Es kann auch sein, dass der Frauenarzt (falls du dort hin gehst) dir feste Vorgaben macht, wie oft du in seinem Praxis kommen musst, damit er die Vorsorge übernimmt. Da kann es schon schwer werden mit dem Wunsch, frei über dich und deinen Körper zu entscheiden. Der nächste wichtige Zeitpunkt, bei dem du dich für deine Freiheit einsetzen musst, ist die Geburt. Wenn du nicht gerade zu Hause bleibst, musst du schon ziemlich selbstbewusst sein, um dich unter der Geburt für deine Wünsche einzusetzen, wenn das Klinikpersonal andere Vorstellungen davon hat, wie eine Geburt ablaufen sollte, als du.

 

befreites_Familienleben_SophieUnd sobald das Baby da ist, wollen dann alle Freunde und Familienmitglieder Bescheid kriegen. Aber bitte noch am selben Abend! Sie sind neugierig und wollen das Baby am liebsten direkt nach der Geburt sehen und euch besuchen. Nach einer Weile erwarten sie vielleicht zur Taufe eingeladen zu werden. Sie möchten dem Kind zu Weihnachten und Geburtstag Geschenke nach ihren Vorstellungen schicken oder vorbeibringen und erwarten im Gegenzug Besuche zu ihren Geburtstagen und Festen. Wenn ihr Eltern da andere Vorstellungen habt, kommt schnell mal ein kritischer Blick oder ein abschätziger Kommentar.

Spätestens dann, aber am besten schon vor der Geburt eures Kindes, solltest du dich daher mit deinem Partner darüber unterhalten, wie ihr mit den Erwartungen von Familie und Freunden umgehen wollt.

Lasst ihr euch verunsichern, einschüchtern und einengen? Lasst ihr euch überreden, überrumpeln oder klein machen? Oder bleibt ihr bei eurem Standpunkt und verteidigt ihn eisern?

Oder schafft ihr es, bei eurem Standpunkt zu bleiben, ohne euch dafür zu rechtfertigen? Lasst ihr euch auf Diskussionen ein? Oder seid ihr innerlich klar und zeigt das auch nach außen?

 

Wenn es um Dinge geht, die hierzulande gesellschaftlich Normalität sind, wie die Kinder in Kita und Kindergarten zu schicken, um möglichst schnell wieder arbeiten gehen zu können, alle empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen zu machen… usw. dann kann es schon zu hitzigen Diskussionen kommen, wenn eure Meinung zu sehr von „der Norm“ abweicht.

Der Druck von außen kann ziemlich groß werden, wenn ihr euch z.B. dafür entscheidet, eure Kinder nicht in die Schule zu schicken.

Die wichtigen Fragen hierbei sind: Könnt ihr dem Druck stand halten? Traut ihr es euch zu, 100%-ige Verantwortung für euer Leben und das Leben eurer Kinder zu übernehmen?

Habt ihr Angst vor Konflikten innerhalb von Familien- und Freundeskreis? Würdet ihr „um des Friedens Willen“ von eurer Meinung abrücken oder Ausnahmen machen? Was wäre schlimmer für euch: Ein Kontaktabbruch oder das Gefühl, es ständig allen anderen Recht machen zu müssen, um sie nicht zu enttäuschen? In welchem Fall würdet ihr euch freier fühlen?

Die meisten Fragen sind sicherlich nicht so einfach zu beantworten, aber wenn ihr ein Leben lebt, dass sich in eurer Einstellung von dem eurer Familie/Freunde stark unterscheidet, könnt ihr euch auf solche Fragen gefasst machen.

 

Ich glaube allerdings, das die Erwartungen von anderen uns nur dann wirklich verunsichern oder (negativ) beeinflussen können, wenn wir selbst nicht klar sind, in dem wie wir denken oder handeln. Wenn für dich z.B. ganz klar ist, dass dein Kind nicht getauft (geimpft, eingeschult… was auch immer) wird, können noch so viele andere Personen mit ihren Erwartungen an dich herantreten. Es wird dir nichts ausmachen und du wirst auch nicht darüber diskutieren. Das „Problem“ bleibt sozusagen auf Seite derer, die die Erwartungen haben und du lebst einfach dein selbstbestimmtes Leben.

Bist du aber selbst unsicher, was deine Entscheidungen betrifft, wirst du schnell in die Position kommen, dich ständig rechtfertigen und erklären zu müssen und überlegen, ob die anderen nicht vielleicht doch Recht haben. Es kann sein, dass die Stimmen derer, die etwas von dir erwarten lauter werden, als deine eigene Stimme, sodass du am Ende gar nicht mehr weißt, ob du so gehandelt hast, weil du es so wolltest, oder weil du von anderen beeinflusst wurdest.

Es ist dann nur noch schwer möglich, freie Entscheidungen zu treffen. Deshalb ist es so wichtig, sich im ersten Schritt selbst zu informieren und darüber klar zu werden, wie du bzw. wie ihr als Familie leben wollt.

Erwartungen von dir selbst an dich

Man könnte ja meinen, es ist schwieriger, sich von Erwartungen anderer Menschen zu befreien als von seinen eigenen. Doch manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall.

Als Beispiel versetze dich noch einmal in die frisch gebackene Mutter: Was wenn aus deiner geplanten Hausgeburt letztlich ein Kaiserschnitt wurde? Hast du dann das Gefühl persönlich versagt zu haben? Oder kannst du für dich annehmen, dass es anders gelaufen ist, als geplant?

Und später, wenn der Alltag mit Kind für dich sehr fordernd ist, hast du dann trotzdem die Erwartungshaltung, dass das Haus blitzen muss? Hast du den Anspruch an dich selbst, eine immerzu perfekte und gut gelaunte Mutter zu sein?

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Was wenn spontan Besuch vorbeikommt? Hast du ein schlechtes Gewissen, oder ist es OK für dich, wenn ein etwas Staub und ein paar Socken im Hausflur liegen?

Vielleicht erwartest du von dir immer gesund und frisch für die Familie zu kochen. Was wenn das gelegentlich nicht klappt und du dann schnell ein paar Pitta-Taschen vom Imbiss nebenan zum Mittagessen holst: Hast du dann die ganze Zeit nur ein schlechtes Gewissen und fühlst dich als Versagerin oder kannst du das Essen genießen und dich darüber freuen, dass du es dir leisten kannst und dass du heute dafür nicht die Küche aufräumen musst?

Es ist deine Entscheidung.

Und wo wir gerade beim Thema Ernährung sind: Vielleicht hast du das Vorhaben gefasst, ab sofort vegan, glutenfrei oder wie auch immer zu leben, weil es so gesund sein soll. Aber was, wenn dich heimlich der Heißhunger nach einem richtigen Quark-Käsekuchen plagt?

Ich finde es wird so oft schwarz oder weiß gedacht. Ganz oder gar nicht. Das ist für mich jedoch das Gegenteil von frei. Wenn es für dich schwer ist, komplett vegan (vegetarisch…) zu leben, warum schreibst du es dir dann selbst vor? Willst du konsequent leben oder glücklich? Warum nicht einfach wann immer es dir schmeckt und gelingt vegan essen und ansonsten halt nicht? Wer schreibt es dir denn vor?

Es ist deine Entscheidung.

Wenn du eine Mutter sein willst, die alles richtig macht, sich bedürfnisorientiert um die Kinder kümmert, Haushalt und Garten mit links wuppt und es nebenher auch noch allen anderen recht machen will, dann steuerst du mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein Burn-Out zu.

 

Ein befreites Leben heißt für mich ständiges Reflektieren: „Will ich das jetzt wirklich oder handle ich nur so, weil „man das eben so macht“ oder weil es gerade von mir erwartet wird? Oder erwarte ich hier mal wieder selbst zu viel von mir?

Erwartungen von dir selbst an andere

Wenn du jetzt gedacht hast, puh! – endlich habe ich es geschafft, mich von meinen eigenen und von den Erwartungen anderer zu befreien, dann sind trotzdem noch jede Menge Erwartungen übrig, die dich einengen können: Nämlich deine Erwartungen, die du an andere hast!

Erwartest du, dass die Personen in deinem Umfeld deine Entscheidungen einfach kommentarlos akzeptieren? Oder erwartest du vielleicht Besuch zum ersten Geburtstag des Kindes und bist enttäuscht, wenn dieser ausbleibt?

Welche Erwartungen hast du an dein Kind? Sollte es mit 4 Monaten durchschlafen und in der Schule natürlich zu den besten gehören?

Wie steht es mit deinem Partner? Welche Erwartungen hast du an ihn?

Du merkst, es ist eine sehr komplexe Sache mit den Erwartungen. Und erwarte bloß nicht, dass es einfach ist, sich von allen Erwartungen frei zu machen. 😉

Aber ich denke, dass es ein großer Schritt in Richtung freies Leben bedeutet, wenn man sich auf den Weg macht, sich selbst und andere bedingungslos anzunehmen. Wenn man sich frei macht von festen Vorstellungen,wie andere Personen oder man selbst sein sollte. Und ja, das ist auch für mich eine ständige Herausforderung.

 

Freiheit beginnt im Kopf

 

Wie gesagt, Freiheit bedeutet für jeden etwas anderes. Es muss nicht jede Familie gleich auf Weltreise gehen, um sich frei zu fühlen. Doch es ist nötig, nach Innen zu schauen und zu spüren, um herauszufinden, wie für dich persönlich ein freies Familienleben aussieht.

Und manchmal ist das ganze Leben so überlagert von ständigen Erwartungen,von deinen Freunden, der Gesellschaft, dir selbst, dass du die ganze Zeit nur damit beschäftigt bist, diese zu erfüllen, und irgendwann merkst, dass das Leben gerade total an dir vorbei zieht.

Vielleicht ist Freiheit momentan auch dein erwünschter Ziel-Zustand für irgendwann später? Wenn die Kinder größer sind? Wenn du mehr Geld hast? Wenn du reisen gehen kannst?

beac-706019_640Doch wie wäre es, wenn du ab sofort frei sein könntest? Heute noch, genau hier und jetzt? Wie würde sich das anfühlen? Und was bräuchtest du dafür?

Was, wenn es ganz allein an deinen Gedanken liegt, ob du dich frei fühlst oder nicht, und gar nicht an den äußeren Umständen?

 

Mach dir bewusst, wie frei du bereits bist.

In welchen Bereichen wirst du wirklich von anderen gezwungen so zu leben, wie du es tust und wo ist es deine eigene Entscheidung? Wo lebst du eine Opferhaltung („ich kann ja nicht, weil mein Chef…“) obwohl nur du selbst die volle Verantwortung für dein Leben trägst (auch wenn das heißen würde, zu kündigen)?

Schreibe spontan 10 Aktivitäten auf, bei denen du dich frei fühlst. Wann hast du sie zuletzt getan? Was hält dich davon ab?

Könnte ein Waldspaziergang ganz für dich allein dir vielleicht auch ein befreites Gefühl geben? Wann hast du dir zuletzt die Zeit dafür gegönnt? Und ja – die Wäsche darf dafür einfach mal liegen bleiben.

Wie wäre es mit einfach mal nichts tun, wenn die Kinder schlafen? Erlaubst du dir das gelegentlich? Einfach still da sitzen, die Füße hoch legen, einen leckeren Tee trinken und den Kopf zur Ruhe bringen?

Es liegt in deiner Hand, was du aus deinem Leben machst.

Es ist deine Entscheidung.

Es ist DEIN Leben!

  

 

Liebe Grüße von

Sophie Mikosch

 

Profilbild_pc80qaSophie Mikosch ist Mutter von zwei Kindern. Ihre Herzensthemen sind Umweltbewusstsein und Achtsamkeit, sowie alternative Wege rund um Schwangerschaft, Geburt, Baby- und Kleinkindzeit. Auf Mütterimpulse unterstützt sie Öko-Mamas auf ihrem Weg abseits der Norm und organisiert gemeinsame Aktivitäten mit anderen Öko-Familien. Noch bis zum 10. Mai können schwangere Frauen einen Platz in ihrem Online   GeburtsvorFreude- Pilotkurs ergattern, der am 22. Mai beginnt und durch ein positives Mindset auf eine selbstbestimmte Geburt vorbereitet. Hier geht‘s direkt zum Kurs.

 

Danke für diesen wunderbaren Artikel im Rahmen der Blogparade!

Blogparade

1 Kommentar

  1. Wibke Dihrberg

    Freiheit ist für mich persönlich vor allem die Bereitschaft, das anzunehmen, was in diesem Moment da ist.

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