Mein Weg zu mehr Leichtigkeit im Alltagsleben mit Kind

 

Kennst du das? Seitdem das erste Kind da ist, hat der Stresspegel im Alltag deutlich zugenommen. Mir kommt es in manchen Situationen so vor, als würde ich von der Flut der Dinge, die zu erledigen, zu organisieren und zu berücksichtigen sind manchmal regelrecht überrollt werden.

 

Vor einiger Zeit hatte ich diese Hetze und diese Art zu leben echt satt. Seither weigere ich mich, mich von Stress und Hektik weiterhin so antreiben zu lassen. Ich spüre, dass diese lediglich dazu führt, dass ich am Leben vorbei agiere und dass ich in Gedanken häufig nicht bei meinen Lieben bin, sondern dass ich immer in dieser Organisationsschleife hänge.

 

Deshalb beschloss ich, die Zeit mit meinem Kind bewusster zu verbringen. Ich möchte sozusagen von Moment zu Moment leben und so viele Augenblicke wie möglich genießen und mich nicht in 10 Jahren fragen müssen: „Wo ist die Zeit hin?“ oder mir vorwerfen: „Ach hätte ich doch die Zeit mit meinem Kind intensiver erlebt.“

 

Bevor ich dies wirklich leben konnte, wurde mich bewusst, dass es da wirklich vor allem eine gedankliche Neuorientierung meinerseits braucht. Ich stand also vor der Herausforderung, mir ein Mindset zu schaffen, dass mir diesen bewussteren Lebensstil ermöglicht.

 

Inzwischen konnte ich verschiedene Aspekte identifiziert, die mich in dieser Haltung und meinem Wunsch nach einem bewussteren Zusammenleben enorm unterstützen.

 

Das wichtigste ist dabei, dass ich mich bewusst darin schule, wieder Jetzt (in genau diesem Augenblick) zu leben.

 

„Leben ist das, was dir geschieht, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu schmieden.“ (John Lennon)

 

Dieses Zitat trifft sehr deutlich mein Lebensgefühl, dass ich noch vor einigen Monaten immer wieder in mir spürte. Ich konnte erkennen, dass ich an vielen Stellen wirklich am Leben vorbei agierte. Ich nenne das auch gern „das Gefühl gelebt zu werden“.

 

Wir kommen auf diese Welt mit der Fähigkeit ganz im Hier und Jetzt zu leben, ganz präsent zu sein. Diese Fähigkeit beobachte ich an meinem Sohn sehr deutlich. Kinder interessieren sich nicht für Gestern, Morgen oder in einer halben Stunde. Sie können mit diesen Begriffen nichts anfangen, was ich deutlich daran sehe, dass mein Sohn sie in seinem Sprachgebrauch total durcheinander würfelt.

 

Auf dem Weg ins Erwachsenwerden verlernen wir diese Fähigkeit zunehmend und richten uns stärker auf die Zukunft aus. Gleichzeitig bekommen wir beigebracht aus vergangenen Situationen zu lernen. Mir passierte es immer wieder, dass ich wirklich total übersah, dass das Leben nur in diesem Augenblick statt findet.

 

Nachdem ich mich auf die Suche nach einem Ausweg machte lernte ich das Prinzip der Achtsamkeit kennen und kultiviere es inzwischen tatsächlich jeden Tag in Form einer Meditation am Anfang des Tages.

 

Mein Leben hat enorm davon profitiert, dass ich mich bewusst entschieden habe achtsamer im Jetzt zu leben. Und es ist genial, dass ich dies als Mami erleben darf. Dadurch, dass ich ein Kind im Haus habe, habe ich quasi den besten Lehrmeister überhaupt jeden Tag vor Augen. Okay, unsere Katze ist auch richtig gut im präsent sein, aber es ist manchmal echt langweilig, ihr gefühlt permanent beim Schlafen zuzuschauen ;-).

 

Indem ich meinem Kind z.B. bei seinem versunkenen Spiel zusehe, kostet ich aus, wofür ich jeden Tag so viel Energie gebe. Mein Kind nimmt mich mit in seine Welt und ich beginne wieder über die einfachsten Dinge zu staunen (Käfer, Steine, Stöcke, Blumen, ja und auch Regenwürmer, etc.).

 

Das klingt super, nicht wahr?

 

Aber es gehört tatsächlich noch ein bisschen mehr dazu, als sich einfach vorzunehmen im „Hier und Jetzt“ zu sein.

 

Eine weitere wichtige Quelle für die Kultivierung eines achtsamen Lebensstils dand ich in der Haltung der Gewaltfreien Kommunikation (GFK), mit der ich schon einige Jahre arbeite. Es ist die Kombination aus beidem (Achtsamkeit und GFK), die mich so förderlich in dieser Haltung und diesem Entwicklungsprozess unterstützt:

 

  1. Ich nehme Abstand von Urteilen, Diagnosen, Analysen …

 

Egal welche Situation wir erleben oder mit welchen Menschen wir zu tun haben, wir beurteilen diese meistens binnen von Millisekunden. Zur Beruhigung: Das ist normal! Der Teil in unserem Gehirn, der noch Reptil ist, ist dafür verantwortlich, er möchte damit gewährleisten, dass wir blitzschnell auf eine Situation reagieren können.

 

Allerdings sind diese automatischen Reaktionen auch hinderlich, wenn es darum geht, unser Leben zu genießen. Wir verhindern nämlich dadurch neue Ideen, Sichtweisen und Möglichkeiten und legen quasi einen Schleier aus alten Erfahrungen über den gelebten Moment im Jetzt.

 

Richtig kontraproduktiv wird es, wenn wir durch unsere (vor)schnellen Urteile, die Situation eher verschlimmern. Ein klassisches Beispiel aus meinem Alltag:

 

Ich habe mit meinem Sohn nach der Kita einen Termin z.B. beim Friseur. Die Zeit ist knapp und der Kleine will sich nicht anziehen lassen. In mir entsteht ein altbekannter Druck und veranlasst mich zu einem inneren Monolog:

 

„Ach man, muss er immer so ein Theater machen, kann es nicht einmal nach Plan laufen?“

 

Im schlimmsten Fall fange ich an zu schimpfen und übe Druck auf mein Kind aus:

 

„Dass du dich immer beim Anziehen so anstellst. Man, das kann doch nicht so schwer sein, jetzt sind wir spät dran…“

 

Und schwups, die Monstermama inklusive des ganzen Stresspakets ist auf den Plan getreten.

 

Ich bin mir sicher, dass du so ähnliche Szenen auch kennst. In meinem Alltag gäbe es sicher täglich Anlass dazu. Aber es ist fatal, solche Urteile, wie „Das Kind macht immer Theater.“ oder „Es trödelt immer.“ zu fällen. Es ist nicht fair, weil es an vielen anderen Tagen super klappt und ich dies einfach als selbstverständlich ansehe, anstatt es positiv zu bemerken und meinem Kind dies anzuerkennen. Und vor allem ist ein solches Denken destruktiv und katapultiert mich in einen negativen Gedankenstrudel der im schlimmsten Fall dazu führt, dass ich meinen Sohn bis zur Ankunft beim Friseur weiter voll nörgele, und dabei gestresst und unzufrieden mit mir und der Welt bin.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist dabei, dass ich zudem mein Kind für die Situation verantwortlich mache. Das ist ebenfalls mega unfair, weil ich den Termin gemacht habe und es förderlicher wäre, mich zu fragen, was ich mit meinem Verhalten zur Situation beigetragen habe:

 

War ich selbst spät zu dran, sodass mein Kind gar nicht die Zeit hatte, sich in Ruhe anzuziehen?

Ist mein Kind vielleicht noch müde vom Mittagsschlaf?

Wollte er vielleicht lieber noch spielen?

 

In jedem Fall bin ich es, die unter Zeitdruck steht, nicht mein Kind. Ich habe also, ohne darüber nachzudenken ein rasches Urteil gefällt.

 

Der Knackpunkt beim Urteilen liegt darin, dass die damit verbundenen Gedanken („Ich bin zu spät.“) Gefühle (Druck, Stress) in uns auslösen, die dann die Situation negativ befeuern. Deshalb für alle Eltern, denen die oben beschriebene Szene bekannt vor kommt:

 

Mein Urteil über die Situation macht meine Gefühle (nicht mein Kind, Partner oder wer auch immer) und ich habe es immer in der Hand, die Situation zu beeinflussen, indem ich eine andere Perspektive zulasse!

 

Egal ob es sich um die Zeitdruckproblematik, Verhaltensweisen des Kindes, die wir als „schwierig“ einstufen oder die „unordentliche“ Situation im Haushalt handelt. Alles, wirklich alles(!), liegt in der Beurteilung der Situation und ich habe es in der Hand, ob es ein Drama wird oder die Situation entspannt und mit Leichtigkeit angehe.

 

  1. Abschied von Erwartungen

 

Mit Erwartungen verhält es sich im Prinzip genauso, wie mit Urteilen. Die Erwartungshaltung an eine Situation birgt viel Leid, weil wir unzufrieden, frustriert, verärgert usw. sind, wenn sich die Situation nicht entwickelt, wie erwartet (was in 90% der Fälle so ist). Gerade wenn es um Kinder geht, ist das ein heißes Eisen. Wann macht ein Kind schon genau das, was wir erwarten?

 

Diese Einsicht war für mich sehr heilsam. Ich habe nämlich an mir die Neigung beobachtet, leicht Frustration und Ärger zu entwickeln, wenn sich eine Situation nicht in der Art gestaltet, wie ich es erwartet habe. Das ist natürlich ungünstig, wenn man bedenkt, dass der Alltag mit Kind voll von unerwarteten Situationen ist (Besuch sagt ab, Ausflug xy platzt wegen krankem Kind, Gespräch z verläuft nicht, wie erwartet, Kind tut nicht, was man sagt, etc…). Es ist wirklich eine Erleichterung, wenn man die Erwartungen außen vor lässt und den Verlauf einer Situation, ja des ganzen Tages offen lässt. Diese neue innere Haltung, hat mir persönlich viel Leichtigkeit und vor allem auch Gelassenheit gebracht.

 

  1. Akzeptanz der Situation

 

Aus der oben beschriebenen Haltung habe ich ein neues Mantra für mich kultiviert:

 

„Es ist, wie es ist!“

 

Die Akzeptanz der Situation, so wie sie ist, birgt eine wahre Transformationskraft. Wenn ich anerkenne, dass es jetzt gerade so ist und nicht, wie ich es haben will (z.B. Ich akzeptiere, dass ich spät dran bin, dass das Kind gerade quengelig ist, dass ich soeben den Bus verpasst habe, etc…), dann distanziere ich mich automatisch von Urteilen über die Situation. Ich habe zudem die Energie, die ich normalerweise verwende, um die Situation abzulehnen, zur Verfügung und kann kreativ werden. Ich erkenne dann, dass schon die „Nicht-Bewertung“ der Situation ein Schritt zu mehr Leichtigkeit ist. Oft schaffen wir nämlich durch unser Urteil erst ein Problem, das vorher nicht da war.

 

Ich höre schon die Skeptiker unter euch:

 

Wenn ich alles einfach akzeptiere, so wie es ist, werde ich dann nicht willenlos?

 

Die Antwort darauf lautet: Nein! Im Gegenteil! Erst durch Akzeptanz kann ich wirklich gute Entscheidungen treffen. Im Jetzt zu leben, bedeutet allem, was in diesem Augenblick geschieht Aufmerksamkeit zu schenken, ohne sich dabei mit Sorgen um die Zukunft zu beschäftigen oder über Vergangenes zu grämen. Genau dies geschieht nämlich in den meisten Fällen: Wir setzten den aktuellen Moment in Relation zu Vergangenheit oder Zukunft und bewerten ihn in diesem Licht. Das führt zur Ablehnung, zur Nicht-Akzeptanz dessen, was ist.

 

Ich habe beobachtet, dass wenn ich den Moment „so sein lassen“ kann, entspannt sich mein ganzes System. Eine neue Leichtigkeit stellt sich ein, die letztlich dazu führt, dass ich mehr genießen kann was im Augenblick ist, ja sogar die doofen Gefühle, wie Traurigkeit, Angst, etc. Da drängt sich mir unweigerlich der alte Beatles Song „let it be“ auf (wo ich doch heute schon John Lennon zitiert habe).

 

  1. Auszeiten und Meditation

 

Eingangs habe ich ja bereits davon gesprochen, dass ich inzwischen täglich meditiere. Dabei genieße ich bewusst die Stille und nutze diese, um mich für meinen Tag zu sammeln.

 

Die bewusst in Stille verbrachte Zeit ist für mich eine großartige Energiereserve. Gerade wenn wir eine Familie haben, ist es notwendig, unsere Batterien regelmäßig aufzuladen und es reicht einfach nicht aus, dies nur im Urlaub zu tun.

 

Ich gebe mir täglich 20 bis 30 Minuten Stille in Form einer Sitz-Meditation mit dem Fokus auf meinem Atem. Also ich sitze und atme dann einfach nur und versuche darauf die Konzentration zu halten.

 

Das hilft mir enorm dabei, mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und ich werde mir des Geplappers im Kopf (Urteile, Erwartungen, Grübeln über Vergangenheit und Zukunft, etc.) erst so richtig bewusst.

 

Seitdem ich Meditation praktiziere, konnte ich eine Menge Gelassenheit und Leichtigkeit im Alltag kultivieren. Wer aber keine Muße hat für Meditation, dem ist vielleicht schon mit einem Spaziergang oder einfach einer halben Stunde Ruhe geholfen (also wirklich Telefon weglegen, keine Glotze, nur Stille).

 

  1. Den alltäglichen Alltag genießen

 

Mittendrin im Alltagsrummel mit seinen 10.000 Entscheidungen am Tag und mit all den Dingen, die erledigt sein wollen, ist es kein Wunder, dass wir leicht diesen einen jetzigen Augenblick nicht wahrnehmen, ja, ihn wirklich manchmal ablehnen und uns nach dem Feierabend, den Ferien, der großen Urlaubsreise, etc. sehnen und unser Blick unentwegt in die Zukunft schweift.

Blogild zum Artikel Mareike Lange

 

Aber wir haben nur diesen Moment JETZT, den wir wirklich leben können. Und unser Leben besteht nun einmal zu einem hohen Prozentsatz aus diesem schnöden Alltag. In ihm spielt sich das Leben mit unseren Kindern und unserem Partner ab! Darum sollten wir ihn von ganzem Herzen annehmen und genießen, jeden Tag, jede Stunde, jeden Augenblick.

 

Wenn der Alltag mal wieder mit seinen taifunartigen Stresswellen kommt, dann setze ich ihm mit meiner Haltung und deim Fokus auf Leichtigkeit eine enorm bewusste Kraft entgegen. Dann gelingt es mir, das zu leben, was wir in Ratgebern zum Thema Glück häufig nachlesen können, dann „finde ich das Glück in den kleinen Dingen“…

 

Herzliche Grüße,

Deine Mareike

 

Mareike LangeDiesen Artikel hat Mareike Lange vom Blog www.liebevollefamilie.de für Dich geschrieben, auf ihrer Seite kannst Du weitere Blogartikel von ihr lesen. Sie ist ebenfalls Mama und hat ihr Leben durch gewaltfreie Kommunikation und  Reflektion in Balance gebracht. Um auch anderen einen stressfreieren und erfüllenderen Familienalltag zu ermöglichen, bloggt und berät sie als Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation.

Danke für diesen wunderbaren Artikel im Rahmen der Blogparade!

 

Blogparade

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