Flexibilität und Lebensqualität

Wir sitzen im Flugzeug nach Bali – unser drittes asiatisches Ziel – und ich bin gespannt, ein bisschen aufgeregt und auch von einer Vorahnung erfüllt: Bali hat uns magisch angezogen, hat nach uns gerufen und ich freue mich, dass diese Begegnung jetzt stattfinden darf. Ob es wohl eine Herzensbegegnung wird?

Was hat sich getan in den letzten fast 9 Wochen Asien?

In uns eine ganze Menge. Was wir vor allem gelernt haben ist das Tempo herunterzudrosseln. Warum hetzen? Warum eilen? Wohin wollen wir? Was heißt ankommen?

Manchmal ist es für mich als produktiv arbeitender und denkender Mensch ganz schön herausfordernd diesen Blickwinkel abzulegen. Auf ihre ganz eigene Art und Weise haben die Asiaten eine sehr heilsame Art des „Savoir Vivre“ – es geht um den Moment, sich Sorgen machen um die Zukunft wird kleingeschrieben, Vertrauen, Annehmen und Genießen groß. Es geht darum alles nicht so furchtbar ernst zu nehmen, nicht so sehr vorauszuplanen und mehr im Hier und Jetzt und Just in Time zu sein. Wenn jemand im Restaurant Kokosnüsse bestellt, dann läuft einer zum Stand gegenüber und kauft dort welche ein. Ein Gast bestellt etwas mit Mango? Same same…

Klappt das Leben auf diese Weise?

Ja, sehr gut, aber ganz anders als wir „Westler“ es anpacken würden. Kontrolle wird hier durch Vertrauen ersetzt. Alle haben Zeit, keiner wird deshalb unhöflich. Manchmal hat dann ein Restaurant eben einfach zu, das Boot fährt wenn alle Plätze belegt sind und der Verleih bietet den Roller des Schwagers an. Mir tut diese Leichtigkeit richtig gut. Der Fokus liegt eindeutig mehr auf der Lösungsfindung als darauf das Problem zu zelebrieren. Auf ganz eigene Weise trainiert Asien die Flexibilität in meinem Kopf. Danke! Mein Eindruck ist wir waren (so wie viele Europäer (ohne es zu werten) 😉 ) in den letzten Jahren Meister darin Barrieren, Gartenzäune und Absperrungen in unseren Köpfen zu errichten. Ich hatte extrem genaue Vorstellungen von manchen Dingen und dachte das wäre Sicherheit – weil ich wusste, wie ich es morgen gestalten würde. Dabei habe ich völlig übersehen, dass diese festen starren Erwartungen mich gestaltet haben und ich all die größeren Optionen die vielleicht möglich wären – heute oder übermorgen – gar nicht wahrnehmen konnte. Danke Asien, Du lehrst mich an das vermeintlich Unmögliche zu glauben. Asien passt von der Mentalität her perfekt zu unseren Befreiungsschritten der letzten Jahre, hier bekommen wir bei vielen Dingen gezeigt, wie es praktisch funktioniert.

Auch in Malaysia ist uns eine große Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit begegnet, das hat mich sehr berührt. Wir hatten von diesem Land keine Vorstellung, haben auch wenig darüber gelesen oder erfragt vor dem Start. Kuala Lumpur haben wir als eine verhältnismäßig saubere Großstadt erlebt, das Image soll Bildung, Konsum und einen guten Wirtschaftsstandort vermitteln – zumindest, wenn man den unzähligen Werbeplakaten Glauben schenkt. Kuala Lumpur besteht fast ausschließlich aus Malls – Einkaufszentren im Hochglanzformat – sie vermitteln ein sehr westliches Bild und sind gut besucht – Konsum und Shopping sind Hobby, Zeitvertreib und Existenzberechtigung – so der Eindruck.

KL

Auch wenn die Skyline und die Hochhäuser beeindruckend waren (selbst für mich, die jahrelang in Frankfurt gearbeitet hat) – ich freue mich jetzt auf Grün und frische Luft, reifes Obst und weniger Verkehr.

Voller Dankbarkeit für die letzten Wochen und Erfahrungen,

 

alles alles Liebe,

Katharina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.